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Was ich schon immer über die Kirche wissen wollte

Pfarrer Dehlinger und Schmid stehen dem Stadtseniorenrat Rede und Antwort

10.11.2007 - Barbara Nürk

 

Am Reformationstag hatte der Stadtseniorenrat ins Gemeindehaus der Christuskirche eingeladen. Das Thema, „Was ich schon immer über die Kirche wissen wollte“, war eine Aufmunterung, Fragen an den evangelischen Pfarrer Dehlinger von der Christuskirche und seinen katholischen Kollegen Pfarrer Schmid von St. Markus zu stellen .
Zuerst stellten sich die beiden Geistlichen und ihren beruflichen Werdegang vor. Bei beiden Theologen konnte der aufmerksame Zuhörer Parallelen feststellen. Beide Abitur und Zivildienst, beide studierten in Tübingen, Pfarrer Schmid mit einem Auslandsjahr in Neapel, Pfarrer Dehlinger zog es für drei Semester in die Hansestadt Hamburg. Beide hatten vor Eislingen Aufgaben bei ihrer Landeskirche oder Diözese übernommen, Pfarrer Frieder Dehlinger betreute das Projekt „Kirche im Notwendigen Wandel“. Pfarrer Bernhard Schmid war Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen für Theologiestudenten; und schließlich ist für beide Eislingen die erste Stelle als selbständige Gemeindepfarrer. Diesen Schritt hatten beide mit dem Eintritt ins Schwabenalter gewagt. Unterschiedlich ist die Dienstzeit in Eislingen, Pfarrer Dehlinger fast auf den Tag 4 Jahre, Pfarrer Schmid gerade 4 Wochen.
Herr Dehlinger stellte seine erst 100 jahre alte Kirchengemeinde mit 3600 Mitgliedern vor, berichtete von Kirchenchor, Jugendarbeit, Krankenpflegeverein und erinnerte an die Kirchenwahl am 11.11.. Er verschwieg nicht die erfolglosen Bemühungen, die 2. Pfarrstelle an der Christuskirche zu erhalten, die ab 2011 auf 50% reduziert wird.
Bernhard Schmid sprach über seine sehr umfangreiche neue Hauptaufgabe als Leiter der Seelsorgeeinheit St. Markus – Liebfrauen. Zu seinem Team gehören Pfarrer Maywurm, Diakon Riedmüller und Pastoralreferent Hummel.
Nach den beiden Vorstellungen begannen die Fragerunden. Eine Zuhörerin fragte nach dem Patronatsrecht, das der Graf von Degenfeld bei der Besetzung der Pfarrstelle von St. Markus habe. Es sei heute ein Ehrenrecht, antwortete Pfarrer Schmid und berichtete von seinem Besuch nach seiner Bewerbung im gräflichen Schloß in Eybach. Auch der Adlige freute sich, daß nach zwei Jahren die 5200 Seelen in St. Markus wieder einen Priester bekommen und gab seine Zustimmung. Früher war das Patronatsrecht mit Zuwendungen für die Kirchengemeinde verbunden, heute gibt es, wenn nötig, einen Christbaum für die Kirche aus dem gräflichen Wald, ergänzte Diakon Riedmüller.
Auf die Zusatzfrage, ob es so etwas auch in der evangelischen Kirche gebe, konnte Pfarrer Dehlinger aus seiner Kinderzeit im Pfarrhaus in Alfdorf berichten, daß der dortige Baron ebenfalls ein Patronatsrecht habe.
Eine weitere Frage: Ob Herr Schmid eine Pfarrersköchin mitgebracht habe. Die Auskunft war nein, der Pfarrer kocht selbst. Neugierig wollte man wissen, wo er kochen gelernt habe. Ein Kochkurs!, waren seine Worte.
Über die ökumenische Sozialstation kam man auf die Krankenpflegevereine zu sprechen, ob denn jede Kirchengemeinde ihren eigenen brauche. Jemand plädierte fürs Zusammenlegen. Beide Geistliche hielten dies für überlegenswert, und verwiesen auf die enge Zusammenarbeit der vier Krankenpflegevereine in der Trägerschaft der Ökumenischen Sozialstation, bei IAV-Stelle, ökumenischer Sitzwachengruppe und Besuchsdienst.
Jugend und Kirche war der Tenor in den folgenden Fragen. Jazz in der Kirche, Rockkonzert neben dem Gotteshaus.
Der evangelische Theologe verwies auf das Evang. Eislinger Jugendwerk, das das Konzert „Rock ’n Turm“ veranstaltet hat; er befürwortete das niederschwellige Angebot, das sich an die junge Generation wendet. Großereignisse wie Kirchentag ziehen jungen Leute an. Muss denn alles Englisch sein - für Senioren ohne Fremdsprachenkenntnisse ist es schwierig.
Sein Kollege Schmid pflichtete bei. „Früher war man lebenslang in einem Verein, in seiner Kirchengemeinde, heute nicht mehr.“ Man brache beides, das Dauernde und das besondere Event. Doch das eine solle aufs andere verweisen.
Gibt es noch Interesse der Jugend an religiösen Fragen? Was bleibt nach Konfirmation und Firmung?
Beide Seelsorger plädierten für etwas auswendig lernen in der Vorbereitung. Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Psalm 23 zumindest sind unverzichtbares Grundwissen wie das kleine Einmaleins. In Trauergesprächen kommt verschüttetes Religiöses zum Vorschein, fügte Diakon Riedmüller hinzu.
Konfessionsverschiedene Paare heute war der nächste Schwerpunkt. Frühere Erfahrungen mit der damals strengen katholischen Kirche erwähnten einige aus dem Publikum. Nur der katholische Partner unterschreibt, daß er, wenn es möglich ist, seine Kinder im katholischen Glauben erzieht. Der evangelische Partner muß nur informiert werden. Kirchliche Trauungen gehen zurück. Pfr. Dehlinger berichtete von sieben Trauungen 2006, eine war konfessionsverbindend.
Kirchenaustritte. Wie reagieren Pfarrer?
Der Kirchenaustritt wird auf dem Standesamt erklärt, die Pfarrämter werden informiert. Bei der katholischen Gemeinde steht der Seelsorger auf Wunsch für ein Gespräch mit dem Ausgetretenen bereit; die evangelische Gemeinde schickt einen Brief und bietet Gespräche an. Nicht selten wird wegen der Steuer die Kirche verlassen. Probleme gibt’s mit der Taufe eines Kindes, wenn die Eltern ausgetreten sind oder bekanntlich mit der kirchlichen Beerdigung des Ausgetretenen.
Fast allen war neu, daß nur etwa jedes dritte Kirchenmitglied Kirchensteuer zahlt.
Eine Seniorin interessierte, wie es bei der Christuskiche weitergeht, wenn die Pfarrstellenkürzung in Kraft tritt. Pfarrer aus anderen Orten sollen den Religionsunterricht übernehmen, 6 und 4 Wochenstunden am Gymnasium. Insgesamt bleibt deutlich weniger Zeit.
Erstaunt war man über die Aussage, daß beiden großen Kirchen in Baden-Württemberg gleich viel für Personal ausgeben. Während bei den evangelischen die Pfarrstellen zu Buche schlagen, sind es angesichts des Priestermangels bei den Katholiken die Mitarbeiter der Kirchengemeinde im seelsorgerischen Dienst.
Die beiden Theologen stimmten überein, daß in den letzten 40 Jahren die beiden großen Konfessionen viel voneinander gelernt haben. Die Katholiken beschäftigen sich viel mehr mit der Bibel und die Evangelischen haben von der Liturgie des anderen Bekenntnisses einiges in ihre Gottesdienste übernommen.
Auf den demografischen Wandel wies in ihrem Schlußwort die Vorsitzende des Stadtseniorenrats Frau Margarete Schmid hin, die Zahl der Älteren sei im Wachsen. Der Jugend gehört die Zukunft steht dagegen. Ausbalancieren sei nötig, der Pfarrer trage das Kreuz, es möglichst allen recht zu machen.
Mit einem Zitat des Hindu Mahatma Gandhi 'Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wer die anderen Religionen ehrfürchtig studiert, ganz gleich zu welchem Glauben er sich selbst bekennt, sein Herz weitet und nicht verengt', sprach sie den Anwesenden aus der Seele und verabschiedete die beiden Geistlichen mit Dank und einem Buchgeschenk..
Wieder war es dem Stadtseniorenrat gelungen, den Besuchern einen interessanten und informativen Nachmittag zu bescheren.

 

 

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