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DRUCKANSICHT

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'Die Frauen müssen sich um Politik kümmern'- Elly Heuss- Knapp

efa-Ausflug nach Stuttgart ins Theodor-Heuss-Haus

31.10.2025 - Eislinger Frauenaktion efa

 

»Sehr interessant und kurzweilig« lautete unser einhelliges Resümee des Besuchs im Theodor-Heuss-Haus und besonders der kenntnisreichen Führung durch Dr. Gudrun Kruip. Sie hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin den Teil der neuen Ausstellung über Elly Heuss-Knapp betreut und schreibt derzeit an einer Biografie über die Ehefrau des ersten Bundespräsidenten, die den meisten nur mit ihrem Engagement für das Müttergenesungswerk in den Nachkriegsjahren bekannt ist. Dabei war Elly Heuss-Knapp (1881–1952) ihr ganzes Leben lang aktiv, vor allem im sozialen Bereich, für Frauenarbeit und -rechte. Ihr Satz »Die Frauen müssen sich um Politik kümmern«, der groß an einer Treppenhauswand zu lesen ist, hat seine Aktualität über ein Jahrhundert nicht verloren!
Mit der Neukonzeption der Ausstellung hat Elly Heuss-Knapp endlich die ihr gebührende Rolle erhalten. Ihre Lebensstationen ziehen sich durch die deutsche Geschichte vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus bis in die junge Bundesrepublik. Neben den Vitrinen und Schrifttafeln stehen anschauliche Objekte, symbolisch etwa das Fahrrad, das den Frauen um 1900 (Bewegungs-)Freiheit schenkte.
Als Theodor Heuss und sie 1933 Berufs-, bzw. Auftrittsverbot erhielten, ernährte sie die Familie mit Werbetexten für Nivea, Erdal, Kaffee Haag, Persil etc. Sie gilt als Erfinderin des Jingles in der Radiowerbung.
Von 1946 bis 1949 war sie Mitglied im Landtag von Württemberg-Baden, nach der Wahl von Theodor Heuss zum Bundespräsidenten »First Lady«.
Wie sie und ihre elf Nachfolgerinnen dieses Ehrenamt ausfüllten, ist ein weiterer Bereich der insgesamt ansprechenden Ausstellung, die auf verschiedenen Ebenen funktioniert: für einen ersten Eindruck, aber genauso für ein vertieftes Studium.
Das Wohnhaus im Feuerbacher Weg hat Theodor Heuss sich 1954, nach Ellys Tod bauen lassen. Sein Arbeitszimmer und das Esszimmer sind in der originalen Ausstattung zu besichtigen und wirken recht altmodisch innerhalb des jetzt hellen, transparenten Gebäudes, das unter dem Motto »Demokratie als Lebensform« nicht den berühmten Mann, sondern ein fortschrittliches, gleichberechtigtes Ehepaar würdigt.
Sehr beeindruckt wanderten wir von einer der sogenannten Halbhöhenlagen Stuttgarts hinunter durch das Eidechsen-Habitat ins neue Stadtviertel Killesberghöhe (wo früher die Messe Stuttgart war) und stärkten uns bei Zwiebelkuchen und neuem Wein für die Heimfahrt.
Es war ein lohnender Ausflug ins Heuss-Haus, dessen wiederholter Besuch sich lohnt – und Dank an Leni Breymaier für Idee und Organisation.


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