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Ein Bad für ganz Klein-Eislingen

Als Baden noch keine Selbstverständlichkeit war

29.6.2026 - Hans-Ulrich Weidmann

 

Wer heute ein Badezimmer betritt, denkt kaum darüber nach, dass regelmäßiges Baden vor gut 100 Jahren für viele Menschen ein Luxus war. In Klein-Eislingen gab es deshalb im letzten Jahrhundert eine öffentliche Badeanstalt – untergebracht im gleichen Gebäude wie die damalige Schule. Bis 1972 konnten die Bürgerinnen und Bürger hier ein warmes Bad nehmen.

Das Gebäude entstand 1888 als Schulhaus für Klein-Eislingen. Im Untergeschoss wurde irgendwann eine öffentliche Badeanstalt eingerichtet – eine damals fortschrittliche kommunale Einrichtung. Denn in den meisten Wohnhäusern gab es weder Badezimmer noch Warmwasser. Öffentliche Badeanstalten entstanden im späten 19. Jahrhundert vielerorts, um die Hygiene der Bevölkerung zu verbessern.

Bei unserem Redaktionsbesucht führte Hausmeister Ewald Finteis durch die historischen Räume und nahm uns mit auf eine Reise in ein Stück Eislinger Badegeschichte. Mit viel Sachkenntnis zeigte er die fast vollständig erhaltene Anlage und erklärte ihre Funktionsweise.

Ein Blick in die Vergangenheit

Heute sind die Räume weitgehend im Originalzustand erhalten. Beim Betreten des Kellergeschosses fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Ein langer gefliester Flur führt zu den einzelnen Badekabinen. Hinter den schlichten Türen stehen noch die emaillierten Badewannen, darüber die typischen cremefarbenen Wandfliesen. Selbst Seifenhalter, Armaturen und Zugschalter sind vielerorts erhalten geblieben.

Besonders interessant sind die roten Signalleuchten über den Türen. Sie zeigten an, ob eine Badekabine belegt oder wieder frei war. Daneben befindet sich noch heute der originale Porzellantaster mit der Aufschrift „Abstellen“, mit dem nach dem Badevorgang Wasser oder Beleuchtung abgeschaltet werden konnten. Solche erhaltenen Details vermitteln einen authentischen Eindruck vom damaligen Badebetrieb.

Auch das ehemalige Ausgabefenster ist noch vorhanden. Hier wurden einst die Badegäste empfangen, Eintrittsgelder kassiert und die Benutzung der einzelnen Badekabinen organisiert. Von hier aus hatte das Personal den gesamten Badebetrieb im Blick.

Bis 1972 blieb die Badeanstalt in Betrieb. Erst als nahezu alle Wohnungen über eigene Badezimmer verfügten, verlor sie ihre ursprüngliche Aufgabe und wurde geschlossen.

Zeitzeugnis mit Seltenheitswert

Die heute noch vorhandenen Räume sind deshalb weit mehr als ein alter Keller. Sie dokumentieren anschaulich den Alltag früherer Generationen und erinnern daran, welchen Stellenwert öffentliche Einrichtungen für Gesundheit und Hygiene hatten.

Dass die Badeanstalt bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben ist, macht sie zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Eislinger Stadtgeschichte. Dank der Führung von Ewald Finteis wurde dieser fast vergessene Ort wieder lebendig. Wir haben die Gelegenheit genutzt, dieses Stück Alltagsgeschichte zu dokumentieren. Die Räume werden für die künftige autarke Energieversorgung der Schule umgebaut.

Der geflieste Kellerflur führte zu den einzelnen Badekabinen der öffentlichen Badeanstalt.

Die historische Badekabine mit emaillierter Wanne ist seit der Schließung 1972 nahezu unverändert erhalten.

Hausmeister Ewald Finteis am ehemaligen Ausgabefenster der Badeanstalt.

Der originale Porzellantaster „Abstellen“ erinnert an die technische Ausstattung der historischen Badeanstalt.

Die rote Signalleuchte zeigte an, ob eine Badekabine belegt war.