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AWO: Fürstliche Momente in Liechtenstein

10.5.2008 - Harald Kraus AWO

 

Der Vorsitzende der AWO Eislingen, Harald Kraus, versicherte den Teilnehmern am Tagesausflug nach Liechtenstein schmunzelnd, dass er das Ziel nicht ausgewählt habe, weil die AWO ebenfalls Millionen an der Steuer vorbei in Liechtenstein deponiert habe ... Spaß beiseite: Fürstliche Momente konnten die Gäste aus Eislingen und Umgebung in dem kleinen Fürstentum, eingebettet zwischen Österreich und der Schweiz, erleben. Fürstlich war das Wetter, fürstlich das Programm und – wie typisch schwäbisch angemerkt wurde - fürstlich waren auch die Preise in der Gastronomie der Hauptstadt Vaduz.

Dennoch erlebte die AWO-Gruppe einen wunderschönen Tag mit einem abwechslungsreichen Programm, das Harald Kraus in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro des Kleinstaats organisiert hatte. Nach der Ankunft konnte die besondere Atmosphäre“ des „Städtles“, der Hauptstraße von Vaduz, erlebt werden; danach erfolgte der Umstieg in den „Städtle-Zug“, der zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Alt-Vaduz führte und zu einer Weinprobe in der Fürstlichen Hofkellerei führte. Interessant zu erfahren war dort, dass Liechtenstein auch ein Weinanbaugebiet ist, das pro Jahr allerdings nur 28.000 Flaschen anbietet, die nur in Liechtenstein selbst vermarktet werden. Deshalb erhielten einige Flaschen weißen oder roten Burgunders, die ins Filstal mitgenommen werden konnten, den Charakter eines Souvenirs.

Auf einer Landesrundfahrt mit dem Bus durch das mitten in einer märchenhaften Bergwelt liegende Liechtenstein erfuhren die Gäste, dass das Fürstentum gerade mal 160 Quadratkilometer groß und in seiner größten Ausdehnung 24,6 km lang und 12,4 km breit ist. Das Klima ist im Sommer mit 20 bis 28 Grad und im Winter mit maximal minus 15 Grad relativ angenehm. Das Fürstentum hat 34600 Einwohner, die überwiegend römisch-katholischer Konfession sind. Liechtenstein ist eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage. Der Landtag hat 25 Abgeordnete; die fünfköpfige Regierung wird auf Vorschlag des Landtags vom Fürsten für vier Jahre ernannt.

Das hoch über Vaduz liegende Schloss, in dem die Fürstenfamilie wohnt, kann nicht besichtigt werden, weil die „Herrschaften“ ihre Privatsphäre respektiert wissen wollen. Die Begleiterin der AWO-Gruppe versicherte, dass die Fürstenfamilie sehr volksnah sei und man ihre Mitglieder im „Städtle“ gelegentlich antreffen und mit ihnen ungeniert sprechen könne. Großen Wert legt die Fürstenfamilie auf ein reichliches Kulturangebot im Land, was unter anderem in mehreren Museen seinen Ausdruck findet.

In einem schwarzen Kubus ist das Kunstmuseum des Landes, schräg gegenüber das Post- und Briefmarkenmuseum und an anderer Stelle das Landes-, das Ski- und das Walser-Heimatmuseum untergebracht. Auswanderer aus dem Wallis kamen im 13. Jahrhundert nach Liechtenstein und ließen sich hoch oben über dem Tal auf einem herrlichen Fleckchen Erde nieder. Ihre Sprache wird in Triesenberg, einer der elf Gemeinden des Fürstentums, besonders gepflegt.

Einen herrlichen Blick in das Land, dessen Grenze zur Schweiz in der Rhein-Mitte verläuft, hatte die AWO-Gruppe von Planken aus, einem rund 800 Meter hoch liegenden Ort, der nur teilweise in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist. In den letzten Jahrzehnten wurde in Liechtenstein viel alte Bausubstanz beseitigt, kräftig neu gebaut und eine leistungsfähige Infrastruktur geschaffen. Die Gäste von der AWO erfuhren, dass Liechtenstein zu einem großen Teil von der vielfältigen heimischen Industrie und dem Tourismus lebt und nicht nur, wie es bisherigen Klischees entsprechen mag, von den ansässigen Banken und dem Verkauf von besonders hübschen und bei den Philatelisten beliebten Briefmarken. Diese konnten im Postmuseum angeschaut werden, wo die weltberühmten Postwertzeichen neben anderen historischen Postutensilien aufbewahrt sind.

Die Gästebetreuerin Nelly Frick betonte, dass die „normalen Leute“ in Liechtenstein mit der Steueraffäre nichts zu tun haben und widersprach dem Klischee, die Liechtensteiner seien angesichts des internationalen Finanzplatzes allesamt nur reiche Leute. Zwar betrage das Durchschnittseinkommen umgerechnet rund 2800 Euro, was sich angesichts sehr hoher Mieten und exorbitanter Grundstückspreise jedoch erheblich relativiere. „Direkte Steuern zahlen wir hier zwar weniger als zum Beispiel in Deutschland, doch wird mit mehreren zusätzlichen Abgaben auch eine Belastungsquote von cirka 40 Prozent erreicht“, erläuterte die Liechtensteinerin. „Wir sind Menschen wie Sie und gehen täglich unserer Arbeit nach, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen“, betonte sie und verwies darauf, dass das Land über 14000 Pendlern aus Österreich, der Schweiz und sogar aus dem süddeutschen Raum einen Arbeitsplatz gebe.

Die Freude über einen bezaubernden Ausflug bei märchenhaftem Wetter war komplett als auf dem Heimweg vor Ulm und Neu-Ulm auf einen Schlag siebzehn Heißluftballons in den blauen Abendhimmel aufstiegen – sie waren wohl auf der Landesgartenschau gestartet – und ein perfektes Abschlussbild lieferten.


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