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Trauer ist individuell und dauert länger

Forum Katholische Seniorenarbeit tagte in Eislingen

14.3.2012 - Felix Müller Kath. Dekanat GP-GS

Es gibt keine Patentrezepte und jeder Mensch sei einzeln zu betrachten, sind zwei Grundbedingungen bei Trauerprozessen - zumal jeder Mensch den Verlust anders durchleidet und seine Trauer anders verarbeitet, begründet der langjährige evangelische Prälat i.R. Martin Klumpp von Stuttgart und Mitbegründer von Hospiz Stuttgart in einem fesselnden Vortrag bei der 27. Vertreterversammlung vom „Forum Katholische Seniorenarbeit“ in Eislingen den knapp 50 katholischen Altenclubleiter/innen seine Vorgehensweise aus langjähriger Erfahrung.
„Wenn ein Partner oder gar ein Kind stirbt, ist nicht nur dieses Leben zu Ende, sondern mein eigenes Leben ist nicht mehr so wie es war“. „Der Betroffene muss sich neu sortieren, fangen und wieder finden. In dieser Zeit ist alles dunkel, weil die geliebte Person nie wiederkommt“, so seine Erkenntnisse als Leiter von mehreren Trauergesprächsgruppen, die er seit 1979 leitet.
Die Hauptfrage in seinem Vortrag war: „Aber wie kommen Menschen durch so eine Krise, damit sie das Leben wieder bejahen können?“
„Zumal sich niemand so richtig vorstellen kann wie das Sterben ist, sei es klug, sich damit rechtzeitig zu befassen“, so der Referent.
„Der Tod ist und bleibt das größte Problem unserer menschlichen Existenz. Trauernde sind hoch verletzlich, vor allem durch Trost, der nicht passt und nicht angemessen ist“.
Für das Gespräch mit Trauernden gibt der Referent den Hinweis: „Prüfen Sie Ihre eigene Stimmlage, ihrer Belastbarkeit, aber auch, ob Sie die Ratlosigkeit aushalten, denn Sie können einem Trauernden nicht schnell helfen, Sie können nur die Ohnmacht gemeinsam aushalten.“ „Wenn Du wissen willst, wie sterben geht, schau auf die Lebenden. Wenn Du aber wissen willst, wie das Leben geht, schau auf die Sterbenden“, ist ihm ein wichtiger Satz geworden.

Mit einem beispielhaftem Gang durch einen typischen Trauerprozess gab Prälat i.R. Klumpp den interessierten Altenclubleiter/innen wichtige und wertvolle Gedanken für die Trauergespräche, die jeder Altenclubleiter mehrmals führen muss, an die Hand. „Ziel muss es sein, im Gespräch sensibel zu werden“. Er empfahl weiter: “Je weniger Sie machen, desto schöner und hilfreicher kann es für den Trauernden sein. Gerade uns deutschen Menschen als „Machmenschen“ fällt dies so schwer“, erläutert der Fachmann seine Vorgehensweise. Der Trauerprozess beginnt immer mit einem Schock. „Der Mehrwert von diesem Schock ist ein Schutz und es ist zudem eine spirituelle Gabe, denn wenn wir überfordert sind, gehen wir in Erstarrung, wie schon in der Bibel steht“, erläutert Klumpp.
Wir müssen den Betroffenen „unbedingt Zeit lassen und wir sollten uns und den Anderen den Schutz nicht nehmen.“ Erst in der zweiten wichtigen Phase baut sich der Schock langsam ab, der acht Tage oder mal zwei Jahre dauern kann - das heißt, „der Trauernde braucht Zeit und wir müssen Geduld für ihn haben“. „Lassen Sie sich auf diese Geschwindigkeit ein“, ist seine Empfehlung.
Klumpp ist überzeugt: „Traueransprachen und ein Abschied in Würde und Form helfen den Hinterbliebenen viel, aber deshalb ist die Trauer noch lange nicht weg. Der Friedhof als Ort der Trauer und die christlichen Rituale sieht der Referent als Gefäße, in denen Gefühle aufgehoben werden, sie sind für ihn unerlässlich und wichtiger Bestandteil. Deshalb bittet er darum, „dass die Seelsorger sich Zeit nehmen sollten, um den Beerdigungsritus als ein Geschehen zwischen größtem Schmerz und größter Hoffnung in eine Sprache zu bringen, denn eine Beerdigung ist immer auch ein hilfreiches therapeutisches Geschehen“, nicht nur für die Hinterbliebenen.

 

 

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Eislingen

Matin Klumpp mit Marianne Knapp


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