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Mit dem Fahrrad in die ungarische Partnerstadt

Ein Reisebericht über die Fahrt von Eislingen nach Villany

15.9.2012 - Rolf Kocheise und Hans Zetterer

 

„Seid ihr au no gscheid“
So lautete der Kommentar eines älteren Donauschwaben in Villany, als er erfuhr, dass wir mit dem Rad von Eislingen in die 1100 km entfernte ungarische Partnerstadt gefahren waren. Wir sind Hans Zetterer und Rolf Kocheise, zwei langjährige Trainingspartner und Freunde, die in der Regel eine wöchentliche Trainingsfahrt absolvieren.
Wir hatten uns vorgenommen, die Tour möglichst auf Radwegen zurückzulegen, mussten aber feststellen, dass es in Slowenien und Ungarn sehr wenige Radwege gibt. Die 10 Etappen waren schon vorher grob festgelegt und das Hotel in Villany war schon gebucht. Uns war auch klar, dass man mit Gepäck nur schwer einen 20er-Schnitt erreichen kann. Trotzdem hofften wir, dass die Flussradwege uns schnell voranbringen würden.

1. Tag
Eislingen-Neuburg
175 km / 9h 45
Am 11.8. starteten wir um 8.00. Jeder hatte zwei Gepäcktaschen und einen Koffer oben drauf, außerdem noch eine Lenkertasche und Hans noch einen Rucksack. Alles in allem ca. 15 kg Gepäck für jeden. Die Route führte uns über Donzdorf, die Haidhöfe, Heidenheim nach Giengen, wo wir Mittagsrast hielten. Vor Giengen macht die Brenz einen großen Bogen und führt durch das wunderschöne Eselsburger Tal. Der kleine Umweg von 5 km hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nach dem Mittagessen (Spaghetti beim Italiener) steuerten wir unser Tagesziel Neuenburg an, das weiter entfernt lag, als wir geschätzt hatten. Zunächst ein flaches Stück entlang der Brenz und der Donau. Zwischen Donauwörth und Neuenburg wird die Strecke wieder bergig, so dass wir ziemlich erschöpft um 20.30 und nach 175 km unser Hotel in Neuburg erreichten. Kommentar von Hans: „Das war die längste Etappe meines Lebens.“

2. Tag
Neuburg-Regensburg
115 km / 6h 40
Heute hatten wir uns die Strecke bis Regensburg vorgenommen. Der Donauradweg ist in diesem Abschnitt oft nur geschottert und dementsprechend staubig. Unsere Räder und unsere Gepäcktaschen waren am Abend total verstaubt. Das Wetter war eigentlich wunderschön, Sonne von morgens bis abends. Für Radfahrer war es eigentlich zu schön, wir waren froh, wenn wir schattige Abschnitte hatten. Am Nachmittag erreichten wir Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch vor Kehlheim. Im Kloster war ein ziemlicher Rummel, es gab kaum freie Plätze und nach einem Weizenbier gönnten wir uns eine kleine Schiffstour nach Kehlheim. Von dort ging es weiter auf dem Donauradweg bis Regensburg. Leider hatten wir nur wenig Zeit um die wunderschöne Stadt anzuschauen.

3. Tag
Regensburg-Passau
88 km / 4h 45
Nach unserer Planung mussten wir unbedingt bis Passau kommen und das hätte eine Tagesetappe von 150 km bedeutet. Wir beschlossen beim Mittagessen zu fahren und dann den Rest des Tages zu planen. Auf keinen Fall wollten wir wieder 150 km oder mehr fahren. Der Donauradweg führt auf langen Strecken über kilometerlange oft kerzengerade Hochwasserdämme, auf denen es oft windig ist, natürlich immer Gegenwind. Eigentlich gibt es auf diesem Teilstück wenig Abwechslung, also es war fast langweilig. Mittagessen gab es in einem wunderschönen Biergarten in einem Städtchen namens Bogen. Wir beschlossen bis Deggendorf zu fahren und den Rest bis Passau mit dem Zug zurückzulegen. Außer einem Abendspaziergang blieb auch wenig Zeit, um die schöne Stadt Passau zu erkunden.

4. Tag
Passau--Linz-Enns
122 km / 5 h 50
Der Radweg von Passau nach Linz ist sehr schön ausgebaut, überall asphaltiert und weitgehend eben. Oft fährt man im Schatten von Büschen und Bäumen und das Donautal ist so eng, dass kein Platz für eine Autostraße bleibt. Zwei Mal muss man mit der Fähre die Donau überqueren. Wir kamen flott voran und hielten gelegentlich, um ein Foto von der schönen Landschaft zu machen. Gelegentlich überholten wir ganze Pulks von Radfahrern. Hans hatte eine Panne, bei der zum Glück nichts Schlimmeres passierte. Während der Fahrt verlor er plötzlich eine Tretkurbel, stürzte aber Gott sei Dank nicht. Nachdem wir die Kurbel wieder angeschraubt hatten, konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Das letzte Teilstück vor Linz verlief leider neben einer vielbefahrenen und lauten Stadtautobahn. In Linz selber hielten wir uns nur kurz auf. Im Touristenbüro sagte man uns, dass es bis Enns noch 20 km seien. In Wirklichkeit waren es aber beinahe 30km. Am Abend erreichten wir Enns, die älteste Stadt Österreichs, nach 122 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21 km/h.

5. Tag
Enns-St. Gallen i.d. Steiermark
102 km / 6h 15
Flussradwege sind meist bequem zu befahren, weil der Radweg dem Fluss folgt und deshalb wenig Steigungen hat. Beim Enns-Radweg ist das nicht so. Zwar verläuft die Strecke bis Steyr noch einigermaßen flach, aber dann beginnt ein stetes Bergauf und Bergab. Man merkt, dass man auf die Alpen zufährt. Die Stadt Steyr hat einen sehr schönen Marktplatz und viel alte schöne Gebäude, ein Besuch lohnt sich. Danach beginnen die Voralpen, der Weg führt hügelig durch ein wunderschönes Ennstal. Erschöpft erreichten wir am Abend das kleine Städtchen St. Gallen in der Steiermark. In den vergangenen 5 Tagen hatten wir ca. 600 km zurückgelegt.

6. Tag
St. Gallen-Graz
105 km / 5h 15
Am nächsten Morgen ließen wir uns vom Wirt, der diesen Dienst schon im Internet anbietet, auf die Passhöhe bei Eisenerz hinauf bringen. Wir wollten nicht die viel befahrene Passstraße benutzen, denn ungeduldige Auto- und LKW-Fahrer und langsam fahrende Radler sind gefährlich, vor allem für die Zweiradfahrer. Auf der anderen Seite ging es dann flott bergab Richtung Murtal. Bei der Abfahrt legte ich vorsichtshalber einmal eine Pause ein, um meine heißgelaufenen Bremsen wieder abzukühlen. Bei Leoben erreichten wir die Mur, ein Fluss der in den letzten Woche wegen Überschwemmungen im Fernsehen zu sehen war. Die Spuren des Hochwassers waren noch überall sichtbar. Der Radweg verlief leicht hügelig durch das Tal, aber so,dass beim Flussabwärtsfahren auf kurze Anstiege immer längere Abstiege folgten. Für uns also sehr bequem. In Gratz übernachteten wir im Hotel „Mariahilf“, das direkt neben einer Open-Air-Konzertbühne liegt. Wir kamen also gezwungenermaßen noch in den Genuss eines Konzertes (indischer Jazz). Es war auch der einzige Tag der Tour, an dem es zumindest abends ein bisschen geregnet hat.
7. Tag
Graz-Bad Radkersburg
91 km / 4h
Vor der Weiterfahrt wollten wir auf jeden Fall Graz besichtigen. Wir gingen also zu Fuß in die Innenstadt und fuhren mit dem Aufzug auf den Schlossberg, wo man eine sehr schöne Sicht auf die Stadt hat. In der Innenstadt gibt es große Fußgängerzonen und viele Geschäfte, für viele Frauen sicher ein Paradies. Nach dem Mittagessen holten wir unsere Räder im Hotel und machten uns auf den Weg nach Bad Radkersburg, der Grenzstadt zu Slowenien. Das Murtal ist nach Graz sehr breit und eben. Das Wetter war wieder sehr warm und sonnig. Nachmittags hatten wir über 30°C. Kurz nach Graz überholten wir einen älteren Rennradler und bald bemerkte ich, dass er uns im Windschatten folgte. Nach ein paar Kilometern setzte er sich an die Spitze und gab uns Windschatten aber im Rennradtempo. Es muss ein göttliches Bild gewesen sein, wie drei ältere Herren, ein Rennradler und zwei mit voll beladenen Treckingbike mit Tempo 30 den Murradweg entlangrasen und dabei oft die langsam dahin zuckelnden „Normalfahrer“ überholten. Während der Fahrt erzählte er uns, dass er in Graz wohnt und schon 75 Jahre alt ist. Nach dieser Renneinlage fuhren wir etwas gemütlicher bis Bad Radkersburg. Dieser Ort ist berühmt wegen seines Magnesium haltigen Mineralwassers.

8. Tag
Bad Radkersburg-Slowenien-Nagykanisa(Ungarn)
98 km / 4h 45
Hinter Bad Radkersburg beginnt gleich Slowenien. Der Grenzübertritt genauso wie zu Ungarn ist kein Problem. Es gibt keine Kontrollen. Der Murradweg sollte eigentlich in Slowenien fortgesetzt werden, ist dort aber sehr schlecht ausgeschildert, so dass wir bald nach der Autokarte auf wenig befahrenen Nebenstraßen fuhren. Landschaftlich ist die Strecke links der Mur meist eben und wenig reizvoll und auch in den Ortschaften gibt es wenig zu sehen, das ein Foto lohnt. Die Sonne meinte es wieder gut mit uns, nachmittags hatten wir über 35°C und die Straßen waren meist ohne Schatten. Bei Pince erreichten wir ungarischen Boden und fuhren weiter auf der normalen Autostraße bis Letenye. Von dort führt die viel befahrene Straße Nr. 7 nach Nagykanisza. Diese Strecke ist für Fahrradfahrer eigentlich gesperrt. Wir fuhren trotzdem, weil es die einzige Strecke war. Alles andere hätte große Umwege bedeutet.
An dieser Stelle muss einmal gesagt werden, wie in Ungarn Radler gesehen werden. Normalerweise fahren nur Leute, die es sich nicht leisten können mit dem Rad, also Arme, oft Zigeuner. Autofahrer sind oft rücksichtslos und fahren mit wenig Abstand an den Radlern vorbei.
Vom Verkehr genervt und von der Sonne gebraten erreichten wir am Abend Nagykanisza

9. Tag
Nagykanisza-Szigetvâr
118 km / 6h
Heute wollten wir eigentlich nach Barcs fahren. Das ist eine kleine Stadt an der kroatischen Grenze ganz im Süden von Ungarn. Wir baten den Empfangschef in unserem Hotel „Central“ für uns ein Zimmer in Barcs zu buchen. Nach einigem Suchen stellte er fest, dass es dort kein Hotel gibt. Also was tun? Wir mussten unsere Strecke ändern. Wir beschlossen nach Szigetvâr zu fahren, das liegt 30km entfernt von Pecs. Die morgige Etappe würde dadurch kürzer werden, heute waren aber 120 km zu bewältigen. Die Landschaft ist in diesem Gebiet leicht hügelig, so dass oft kleine Steigungen zu bewältigen waren vorbei an vertrockneten Mais- und Sonnenblumenfeldern. Am Nachmittag näherte sich die Temperatur der 40°-Grenze. Radfahren war eine Qual, wenig Schatten und sengende Sonne. Das Wasser in der Trinkflasche warm wie Tee. Erschöpft erreichten wir Szigetvâr. Das war die schlimmste Etappe der ganzen Tour.

10. Tag
Szigetvâr-Villany
75 km / 4h 15
Letzter Tag der Villany-Tour. Morgens fuhren wir auf der für Fahrräder gesperrten Straße Nr 6 bis Pecs. Ich zeigte Hans die größten Sehenswürdigkeiten und nach dem Mittagessen fuhren wir natürlich wieder in der 40°-Hitze nach Villany. Dort wurden wir schon von meinem Freund Josef Michaelis erwartet und in das Hotel Bock begleitet. Das Hotel Bock ist sehr schön eingerichtet und verfügt über ein kleines Schwimmbad und klimatisierte Zimmer. Man kann sich vorstellen, welche Wohltat das für uns war.
Als Abschluss unserer Partnerschaftstour fand für uns ein kleiner Empfang beim Bürgermeister Takac statt, wo ich die Grüße von der Stadt Eislingen überbringen konnte. Hans vermachte sein Partnerschaftstrickot der Stadt Villany und der Bürgermeister versprach einen passenden Platz dafür zu finden. In den nächsten Tagen besuchten wir Freunde in Villany und erholten uns von den Strapazen bevor wir mit dem Zug nach Hause fuhren.

 

 

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Eislingen


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Donausdurchbruch

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Gernzübergang nach Österreich

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Ottersheim bei Linz

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Ennstal nach Steyr

Eislingen

Ennstal nach Steyr

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Berge bei Eisenerz

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Graz Prachtstraße

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Graz von oben

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Genzschild Ungarn

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Schild Slovenien

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See bei Miklosfa

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bei Villany

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Hand und Rolf

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Hotel Bock

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Villany - Empfang beim Bürgeremeister

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Villany Hans Rolf BM vor dem Rathaus

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Bockkeller, Villany

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