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Bewegende Fluchtberichte wurden erzählt – Unterschiedliche Ursachen und Nöte
16.11.2016 - Stadt Eislingen PSE (Pressestelle)
Flüchtlinge, die zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland verlassen haben, berichteten vergangene Woche bei einer Veranstaltung in der Eislinger Stadthalle über ihr Schicksal und ihre zum Teil auch traumatischen Erlebnisse. Die „Flüchtlingsbiografien“ waren Bestandteil der Eislinger „Wochen der Vielfalt“, die diese Woche zu Ende gehen. Dankenswerterweise konnte die Stadt für dieses Projekt das „Forum der Kulturen“ Stuttgart e.V. und die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt der Engagement Global gGmbH“ gewinnen.
Im Rahmen der Integrationsarbeit der Stadt hatten sich die Verantwortlichen das Ziel gesetzt, Fluchtursachen und –hintergründe aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und der Öffentlichkeit vorzustellen. Deshalb wurde die Veranstaltung so konzipiert, dass Betroffene selbst ihre Geschichte erläutern sollten. Paulino Miguel vom „Forum der Kulturen“ in Stuttgart hatte zwei Gäste mitgebracht und führte mit ihnen ein Interview. Aly Palm erläuterte im Gespräch seine zahlreichen örtlichen Veränderungen. Seine Eltern waren zunächst aus Indien nach Vietnam geflohen. Er selbst machte sich dann aus diesem Land auf nach Europa und kam auf verschiedenen Umwegen schließlich nach Deutschland, wo er bis heute lebt.
Er gehört damit zu den sogenannten „Boatpeople“, die sich mit zum Teil völlig überladenen Schiffen auf die Flucht begaben, was seinerzeit in Deutschland unter anderem zu einer großen Hilfsaktion von Rupert Neudeck („Cap Anamur“) führte.
Aus dem afrikanischen Staat Demokratische Republik Kongo machte sich Cathy Plato auf den Weg. Sie hatte während des Studiums ihren späteren deutschstämmigen Ehemann kennengelernt. Allerdings war sie mit ihrer Tochter nach dem Studienaufenthalt nochmals in ihrem Heimatland, als es dort zu Unruhen, Übergriffen und zu Verfolgungen von Minderheiten kam. Sie beschrieb sehr authentisch die damalige Situation und die Rahmenbedingungen für ihre Flucht. Inzwischen ist sie äußerst gut in Deutschland integriert; sie ist aktiv in zwei Vereinen und hat unter anderem bei der letzten Kommunalwahl in ihrer Heimatstadt für den Gemeinderat kandidiert.
Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es um Flüchtlinge, die erst in 2015 oder sogar erst in diesem Frühjahr nach Deutschland beziehungsweise nach Eislingen gekommen sind. Drei Frauen, die in einer Eislinger Flüchtlingsunterkunft mit ihren Familien leben und aus Syrien beziehungsweise dem Libanon stammen, trugen ihre Geschichte vor. Sie nutzten alle die sogenannte „BalkanRoute“. Zwei der drei Frauen wissen bis heute nichts über das Schicksal ihrer Ehemänner.
Eine Betroffene hatte berichtet, dass sie während der Schwangerschaft eines Kindes von einem Giftgasanschlag betroffen war, was nach der Geburt ihres Kindes zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen führte. Alle drei Frauen wurden während des Vortrages von ihren ehrenamtlich tätigen „Asylpatinnen“ unterstützt, die sie sehr einfühlsam, liebevoll und mit großem Engagement seit ihrer Ankunft in Eislingen begleiten.
Allen Besuchern, insbesondere aber den zahlreichen ehrenamtlichen Asylpaten in Eislingen, dankte Bürgermeister Herbert Fitterling namens der Stadt für ihren Einsatz und ihre Begleitung. „Wir sind sehr, sehr dankbar für diese Arbeit der Ehrenamtlichen, die das Einleben der Flüchtlinge und ihre zum Teil dramatischen Erlebnisse ein klein wenig abmildern“.
In seiner Begrüßung hatte Herbert Fitterling deutlich gemacht, dass es Ziel der Veranstaltung sei, dem Thema Flucht und Vertreibung „ein Gesicht zu geben“. Gleichwohl bewege man sich auf einem schmalen Grat, weil das Erzählen und Vortragen von zum Teil extrem belastenden Erlebnissen viele schlimme Erinnerungen wieder wachrufe.
Die zahlreichen interessierten Gäste honorierten die Berichte der einzelnen Personen mit großem Beifall und würdigten ihren Mut. Insbesondere die aus Syrien und dem Libanon geflohenen Frauen dankten der deutschen Gesellschaft und vor allem ihren Paten für die Unterstützung, die Betreuung und das Gefühl von Sicherheit.
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 V.l.n.r.: Cathy Plato, Paulino Miguel, Aly Palm (Foto Urheber: Dr. Braitinger)
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